Integrationsagenturen gestalten Vielfalt

Mit Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes am 1. Januar 2005 trat in Deutschland eine umfassende Reform von Bestimmungen der Migrations- und Integrationspolitik in Kraft. Die nun gezielte Förderung der Integration von Migrantinnen und Migranten stellte trotz der langen Einwanderungsgeschichte Deutschlands integrationspolitisches Neuland dar. In anderen Bereichen (z.B. Zuwanderung und humanitäre Fragen/Flüchtlinge) knüpfte das Gesetz an bestehende Strukturen an.

Aufgrund der wachsenden Dynamik von migrations- und integrationspolitischen Fragen setzte Nordrhein-Westfalen in den Jahren seit 2005 anstelle von Sozialberatung und Einzelfallarbeit auf konkrete Aktivitäten im Sozialraum vor Ort, wo Integration geschieht und wo stärker auf die Bedürfnisse der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eingegangen werden kann. Seit der Etablierung des Programms der Integrationsagenturen für die Belange von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte am 1. Januar 2007 sind inzwischen 163 Integrationsagenturen (Stand Dezember 2016) in Trägerschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege, gefördert vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, in einer systematischen Integrationsarbeit zwischen Kommunen, Freien Trägern und dem Land tätig.

Ziel der Arbeit der Integrationsagenturen ist die Herstellung von Chancengerechtigkeit für alle Menschen mit Blick auf die zunehmende gesellschaftliche Vielfalt und auf die besonderen Bedingungen von benachteiligten Gruppen. Grundlage der Arbeit der Integrationsagenturen liegt im Erkennen von Integrationschancen und –problemen. In Kooperation mit freien und öffentlichen Trägern sowie mit Migrantenselbstorganisationen werden Förder- bzw. Lösungsmöglichkeiten in vier von der Landesregierung festgelegten Aufgabenfeldern erarbeitet:

  • Durch Interkulturelle Öffnung von Diensten und Einrichtungen, damit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hintergründe Leistungen und Angebote annehmen können.
  • Durch Sozialraumorientierte Arbeit da, wo es im Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hintergrunde zu Spannungen und Problemen kommt. In diesem Zusammenhang wird auch die Eigeninitiative und Eigenverantwortung von Migrantenselbstorganisationen gefördert und unterstützt.
  • Durch die Integrationsagenturen wird das Bürgerschaftliche Engagement von und für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte weiterqualifiziert und ausgebaut.
  • Durch eine Antidiskriminierungsarbeit der Integrationsagenturen werden Barrieren, Diskriminierungs- und Ausschlussmechanismen insbesondere im Hinblick auf die Ausgrenzung von individuellen, politischen und sozialen Rechten und eine Ausgrenzung aus der Gesellschaft überwunden.

Die Arbeit der Integrationsagenturen ist darauf ausgerichtet, dass - neben dem Fokus auf Einstellungen, Haltungen und Handlungen der Menschen in einem Sozialraum - gesellschaftliche Verhältnisse, die ausschließen, überwunden werden. Im Sinne einer Inklusion muss nicht der Einzelne in bestimmte Strukturen integriert werden, sondern Strukturen müssen so gewandelt werden, dass eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe an den gesellschaftlichen Teilbereichen für alle möglich wird. Über die Vielfalt gestaltenden und fördernden Aktivitäten der Integrationsagenturen werden strukturelle und gesellschaftliche Hürden, die Integration/Inklusion verhindern, abgebaut.